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„Große Freiheit – Halberstadt“
Retrospektive zu Karl Anton eröffnet im Schraube-Museum
Das Schraube-Museum Halberstadt eröffnet am Samstag, 19. September 2026, um 16 Uhr die Retrospektive „Karl Anton. Große Freiheit – Halberstadt“. Die Ausstellung erinnert an den 2025 verstorbenen Künstler und Autor, dessen künstlerisches Schaffen in Halberstadt seinen Anfang nahm. Zur Vernissage sind Besucherinnen und Besucher herzlich eingeladen, gemeinsam mit Freunden und Weggefährten auf sein Leben und Werk zurückzublicken.
Am Neujahrstag 2025 verstarb Karl Anton überraschend im Alter von 71 Jahren in Leipzig. In seinem außergewöhnlichen Leben hinterließ er als Künstler und Autor zahlreiche Spuren – nicht zuletzt in Halberstadt. Sein Sohn Marcus Barwitzki sowie Freunde und Weggefährten haben sich deshalb entschlossen, ihm an dem Ort, an dem sein künstlerisches Schaffen begann, eine Retrospektive zu widmen.
Unter dem Titel „Große Freiheit – Halberstadt“ zeigt die Ausstellung einen Überblick über Karl Antons künstlerisches Schaffen mit wichtigen Serien und zentralen Werken. Einige der präsentierten Arbeiten waren seit längerer Zeit nicht mehr ausgestellt, andere werden erstmals öffentlich gezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Werke selbst, sondern ebenso die Leidenschaft, Experimentierfreude und bleibende Inspiration, die Karl Anton hinterlassen hat.
Vom Gefängnisdirektor zum Künstler
Karl Antons Verbindung zu Halberstadt begann zunächst fernab der Kunst. 1991 kam er in die Domstadt und übernahm die Leitung der Justizvollzugsanstalt. Dabei sorgte er mit ungewöhnlichen Ideen durchaus für Aufsehen. Zwei Schafe namens Bonny und Clyde hielten die Wiesen zwischen den Sicherheitszäunen kurz, er ließ Fresken in der Kapelle der Haftanstalt freilegen und organisierte am Herrentag ein Volleyballturnier, bei dem Mannschaften von Häftlingen gegen eine Halberstädter Frauenmannschaft antraten.
Doch die beruflichen Mauern wurden ihm zunehmend zu eng. Reisen – insbesondere eine Australienreise im Jahr 1995 – verstärkten sein Interesse an der Malerei. Es folgten erste Ausstellungen. Im Jahr 2003 gab Karl Anton schließlich seine Tätigkeit als Leiter der JVA Halberstadt auf, zog wenig später nach Leipzig und widmete sich fortan ganz der Kunst.
Halberstadt blieb dennoch ein prägender Ort seines Schaffens. Hier entwickelte Karl Anton künstlerische Ausdrucksformen und Bildwelten, die auch in später entstandenen Arbeiten wiederzufinden sind. Serien wie „The Red Collection“, „Punctum“, „Flores“ oder „Das kleine Theater“ stehen für eine künstlerische Reise, die für ihn stets auch mit Aufbruch und dem Verlassen vertrauter Wege verbunden war. Kunst bedeutete für Karl Anton, wie er selbst formulierte, „raus aus der Komfortzone und hinein ins Ungewisse“.
Dabei wollte er mit seinen Arbeiten vor allem die Gefühlswelt der Betrachter erreichen. Bilder sollten nicht nur rational erschlossen werden. Vielmehr sollten sich die Betrachtenden Zeit nehmen und die Werke auf sich wirken lassen. Diesem Gedanken folgt auch die Retrospektive im Schraube-Museum.
Neben der bildenden Kunst widmete sich Karl Anton auch dem Schreiben. Zu seinen Veröffentlichungen gehören die Kriminalromane „Die Russenpistole“ von 2006 und „Fünf Stäbe“ von 2008 sowie die lyrische Reisebeschreibung „Kaperfahrt“ aus dem Jahr 2009. Seine bildnerischen Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert, unter anderem in Bonn, Hamburg, Magdeburg, Cannes, Plovdiv, Brüssel, Wernigerode und Halle.
Vernissage mit Erinnerungen, Musik, Schmalzstullen und Wein
Die Ausstellungseröffnung am 19. September um 16 Uhr soll mehr sein als eine klassische Vernissage. Erinnerungen an Karl Anton und persönliche Begegnungen mit seinem Werk stehen im Mittelpunkt. Für die musikalische Begleitung sorgt Tom Posur.
Auch Schmalzstullen und Wein gehören bewusst zum Nachmittag: Sie erinnern an die Anfänge der Galerie im Kunsthof, die in den 1990er-Jahren maßgeblich von Karl Anton mitgestaltet wurden. Damit greift die Vernissage ein Stück jener Zeit auf, in der sich Karl Antons künstlerischer Weg in Halberstadt entwickelte.
Begleitprogramm eröffnet unterschiedliche Zugänge zu Karl Antons Werk
Die Retrospektive wird während ihrer gesamten Laufzeit von Veranstaltungen begleitet, die Karl Anton als Künstler, Autor und Weggefährten in den Mittelpunkt stellen.
Am 4. Dezember 2026 um 18.30 Uhr steht Karl Anton als Autor im Fokus. Unter dem Titel „Ein Sohn liest Anton“ liest Marcus Barwitzki aus den Werken seines Vaters und eröffnet damit einen weiteren Zugang zu dessen Schaffen.
Auch Kinder sind eingeladen, sich auf eigene Weise mit Kunst und Karl Antons Blick auf Halberstadt auseinanderzusetzen. Am 4. Februar 2027 von 10 bis 12 Uhr findet im Rahmen des HARZER Kulturwinter der Malkurs „Unser Halberstadt in Farben und Formen – Abstrakte Kunst für Kinder“ statt. Das museumspädagogische Angebot richtet sich insbesondere an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren.
Ausgangspunkt sind historische Ansichten Halberstadts. Die Kinder entdecken bekannte Wahrzeichen, Türme, Dächer und charakteristische Formen der Stadt und lernen anschließend spielerisch Möglichkeiten der abstrakten Kunst kennen. Auf kleinen Leinwänden entstehen mit Farben, Flächen und Formen ganz persönliche Interpretationen Halberstadts. Dabei geht es nicht um das möglichst genaue Nachmalen historischer Vorlagen, sondern um Fantasie, Experimentierfreude und die Entwicklung einer eigenen Bildsprache. Die entstandenen Kunstwerke können die Kinder anschließend mit nach Hause nehmen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Teilnahme kostet 3 Euro.
Den Abschluss der Ausstellung bildet am 28. Februar 2027 um 16 Uhr die Finissage „Plaudern mit Weggefährten Karl Antons“. Bei Schmalzstullen und Wein soll noch einmal gemeinsam an den Künstler, seine Persönlichkeit und seine Halberstädter Jahre erinnert werden.
Die Retrospektive „Karl Anton. Große Freiheit – Halberstadt“ ist vom 19. September 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Schraube-Museum, Voigtei 48, zu sehen. Das Museum ist donnerstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Für die Veranstaltungen des Begleitprogramms – mit Ausnahme der Vernissage – wird um vorherige Anmeldung unter aufsicht@halberstadt.de oder telefonisch unter 03941 551474 gebeten.
Fotos:
01: Karl Anton, Rund um den Dom, Halberstadt 1997.
