Buchlesung am 18. Oktober 2017 Andreas von Klewitz

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Nachkomme des ersten Halberstädter Ehrenbürgers liest im Museum

Abendveranstaltung des Städtischen Museum und des Geschichtsvereins Halberstadt am 18. Oktober 2017 um 19 Uhr am Domplatz 36.

Eine historische Fiktion zur jüngeren deutschen Geschichte wirft Fragen auf, die vor dem Hintergrund derzeitiger weltgeschichtlicher Entwicklungen vielleicht aktueller sind, als zur unmittelbaren Entstehungszeit des Romans.

"Das Lied des Polyphem -Bildnis eines Massenmörders"

Der Name Klewiz oder auch Klewitz ist in Halberstadt nicht unbekannt. Einmal wegen der Straße, die von 1900 an 74 Jahre nach Wilhelm Anton von Klewitz benannt war und seit 1991 wieder ist. Und, weil der preußische Zivilgouverneur der erste Ehrenbürger der Stadt Halberstadt war. Ein Thema, das durch den Ankauf der Urkunde durch den Geschichtsverein zum 100. Jahrestag der Verleihung 2016, wieder öffentlich wurde.
Seit einigen Jahren ist das Städtische Museum mit Andreas von Klewitz in Kontakt. Mehrmals war er Gast von Veranstaltungen. Der 1960 geborene Sohn des Diplomaten Wilhelm von Klewitz und seiner Frau Hertha geb. Niemöller, kam in Wiesbaden zu Welt. Er wuchs in Jugoslawien und Dänemark auf, studierte Slawistik, Ost- und Südosteuropäischen Geschichte. Er lebt heute in Berlin als freischaffender Publizist, Film- und Buchautor und liest aus seinem ersten, 2004 erschienenen Roman.
Er gab ihm den Titel; " Das Lied des Polyghem…". Der aus der griechischen Mythologie stammende Begriff bezeichnet einen einäugigen Zyklop und taucht im Epos "Odyssee" Homers erstmals auf.
Allerdings ist das Thema des Buches nicht altgriechische Geschichte. Vielmehr untersucht es die Frage, wie wird ein Mensch zum Mörder und das ist dann auch die Fortsetzung des Romantitels … - Bildnis eines Massenmörders"
Klewitz stellt die Frage, was brachte einen schüchternen, verklemmten Gesangs-schüler vor 80 Jahren dazu, sich der SS anzuschließen und in Weißrussland grausame Verbrechen an Unschuldigen zu begehen? Der fiktive Roman erzählt die Geschichte des Harald Gerneweg. Eingebettet ist die Handlung in die Darstellung des Prozesses eines sowjetischen Militärtribunals gegen Gerneweg. Parallel dazu wird die Geschichte der Jüdin Anna Meyer erzählt, der ersten heimlichen Liebe Haralds. Ihr steht er beim Prozess als Hauptzeugin eines SS-Massakers gegenüber.
Was die Qualität des Buches ausmacht, so sind sich die Rezensenten einig, ist nicht so sehr die fiktive Handlung. Vielmehr ist es der gelungene Versuch, Schlagworte wie "Verrohung", "willige Vollstrecker" und "Banalität des Bösen" greifbar und im weitesten Sinne verstehbar zu machen. Klewitz arbeitet heraus, dass Motive für unmenschlich grausamen Taten oft nur allzu menschlich sind. Eitelkeit, Geltungsdrang, Karrierestreben, Diensteifer und Obrigkeitsglauben gehören ebenso zu den "Triebfedern des Bösen" wie Erwägungen materieller Art, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, Charakterschwäche vielleicht auch Geschichtslosigkeit.
Die Publikation wurde mit großer Resonanz in Berliner Schulen und Kultureinrichtungen, auch auf der Frankfurter Buchmesse, dem Göttinger Literaturherbst und in den Goethe-Instituten in Minsk/Belarus und Almaty/Kasachstan vorgestellt. Es ist nicht nur Lesern zu empfehlen, die sich für das Thema Nationalsozialismus inte-ressieren. Sondern auch allen, die sich Gedanken darüber machen, was Menschen dazu bringen kann, Hemmungen und moralische Vorbehalte der "zivilisierten Gesellschaft" abzuwerfen. Ein Thema mit aktuellem Bezug!


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